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Fritz Gross
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Botho Strauß *1944

Der im Ruhrgebiet und in Hessen aufgewachsene Autor gilt als einer der wichtigsten deutschen Dramatiker der Gegenwart. Er studierte Germanistik, Theatergeschichte und Soziologie in Köln und München und war von 1967 bis 1970 Redakteur und Kritiker der Zeitschrift Theater heute. Der dramaturgische Mitarbeiter an der Berliner Schaubühne wurde mit verschiedenen Preisen und Stipendien bedacht (Villa Massimo, 1976). Neben Theaterstücken hat er auch Gedichte und kulturkritische Essays sowie vielbeachtete Erzählungen und Romane geschrieben (Marlenes Schwester, 1975; Die Widmung, 1977; Rumor, 1980; Paare Passanten, 1981; Der junge Mann, 1984).

Strauß' Weltsicht und Ästhetik sind entscheidend geprägt von der Erfahrung der gescheiterten Studentenrevolte der Jahre 1967/68. Obwohl in seinen Texten auch ironische Distanz zum Dargestellten sichtbar wird, gilt Strauß als zeittypischer Vertreter einer neoromantischen Subjektivitäts- und Innerlichkeitsliteratur. Grundthema seines Werks ist das melancholisch - resignative Lebensgefühl seiner Generation, die sich in einer Zeit der verlorenen Hoffnungen und verschwundenen Utopien auf sich selbst zurückgeworfen sieht. Mit präziser Beobachtungsgabe und großer Stilsicherheit stellt S. die zunehmende Unwirklichkeit und Flüchtigkeit menschlicher Beziehungen und die unüberbrückbar gewordene Entfremdung zwischen dem ratlosen einzelnen und einer rational-funktionierenden, konsumorientierten Welt dar. Im Mittelpunkt der Theaterstücke stehen die Seelenqualen, Gefühlsverwirrungen und Beziehungsprobleme der bundes- deutschen middle-class, die in einer Sphäre der "unklar gewordenen Freiheit" weder zu totaler Anpassung noch zu kraftvoller Selbst- verwirklichung fähig ist. Strauß' dem Zwang zur Selbstbeobachtung verfallene Figuren können sich – bei oft intimster Nähe zueinander – gegenseitig nicht mehr wahrnehmen und erkennen. Sie leben in "verwischten Beziehungen" (R. Baumgart) und scheinen bei aller Suche nach einer unerreichbaren Identität letztlich untereinander austauschbare Kunstfiguren zu sein. Die Erfahrung des unwiederbringlich Verlorenen und das unbestimmte Warten auf ein Glück, an das man insgeheim nicht mehr glaubt, charakterisieren die meist tragikomischen Personen in seiner Stücke. Sein nicht-realistisches "mentales Theater" bietet statt einsträngig erzählter Geschichten meist eine Montage von Handlungs-Bruchstücken, die sich zu poetischen Bildern der inneren Stimmungen und psychischen Befindlich- keiten der Menschen in einer seelenlosen Welt verdichten. Vom Szene- jargon der Außenseiter über triviales Partygerede bis zur hochliterarisierten Bildungssprache bedient sich Strauß aller zeittypischen Redestile. Auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen greift der Autor auf antike Mythen und abendländische Geistestraditionen zurück, die ihm auch für die Gegenwart gültig und aussagekräftig erscheinen. Zur literaturgeschichtlichen Bestimmung von Strauß' Werk, das oft mit den jüngeren Arbeiten P. Handkes in Verbindung gebracht wird, hat man neben seiner Wahlverwandtschaft zu so unterschiedlichen Dichtern wie A. Cechov und J. L. Borges immer wieder auf die Tradition der deutschen Romantik (Novalis, L. Tieck, H. v. Kleist) verwiesen, die auch in der Reaktion des Autors auf die deutsche Wieder- vereinigung mitschwang (Schlußchor, 1991; Das Gleichgewicht, 1993). 



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