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Fritz Gross
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Shakespeare William (1564-1616) 
Laut Eintrag im Kirchenregister wurde W.S. am 26. April 1564 in Stratford-upon-Avon getauft; möglicherweise ist er daselbst am 23. April geboren worden. In dem kleinen Marktflecken mit seinen 1500 Einwohnern, wo sein Vater als Landwirt und Geschäftsmann in hohem Ansehen stand, besuchte William die Grammar School. Mit 18 Jahren heiratete er Anne Hathaway; drei Kinder gingen aus dieser Ehe hervor. Seit 1592 war er als Schauspieler und Dramatiker in London tätig. Dort arbeitete er von Anfang an mit dem großen Theatermann der Zeit, R. Burbage, zusammen. Da der Hochadel damals die Theater protegierte, dürfen S.s Mitgliedschaft bei den "Lord Chamberlain's Men" (nach 1603 "The King's Men") und seine spätere Teilhabe am Globe Theatre als Absicherung für seine Karriere angesehen werden. Von 1597 an erwarb er Grundbesitz in Stratford-upon-Avon. Am 25. März 1616 unterschrieb er sein Testament, und am 23. April 1616 starb er in seinem Heimatort (Elisabethanisches Theater, Shakespearebühne). 
In der ersten Gesamtausgabe von S.s Werken, dem Ersten Folio von 1623, finden sich 36 Stücke: vierzehn Komödien, zehn Historien und zwölf Tragödien. Diese Gattungseinteilung läßt die chronologische Reihenfolge der Stücke leider außer acht, so daß sich die Herausgeber bis in unsere Zeit mit Datierungsfragen befassen müssen. – Zum erstenmal erscheint S.s Name als Verfasser des Epos Venus und Adonis im Jahre 1593, kurz darauf veröffentlicht er Die Schändung der Lucrecia, ein weiteres Epos, welches ebenfalls seinem Gönner, dem Earl of Southampton, gewidmet ist. 
Die Historien: In der Schauertragödie T. Andronicus (um 1590) steht S. noch ganz unter dem Einfluß T. Kyds, in den drei Teilen König Heinrich VI., die sich vornehmlich auf die Chronik von R. Holinshed (1578) stützen, dramatisiert er die Kriege zwischen den Häusern Lancaster und York, zwischen der Roten und der Weißen Rose. Diese jahrzehntelangen Auseinandersetzungen enden erst mit dem Tode des Protagonisten in Richard III., der rücksichtslos mordend nach der Krone greift. Während in Heinrich VI. der fromme, aber schwache König zur Darstellung kommt, ist es in Richard III. der Tyrann; hingegen wird in König Richard II. der unfähige und in König Heinrich V. der ideale König charakterisiert. In Richard II. steht die Frage der Absetzbarkeit eines schwachen Königs und die damit verbundene Problematik der Usurpation des Throns – durch Lord Bolingbroke, den Vetter des Königs im Mittelpunkt. Die beiden Stücke König Heinrich IV., die zu großen Teilen von der volkstümlichen Gestalt John Falstaffs, einem saufenden Prahlhans, leben, sind eine glänzende Charakterstudie des nun seinerseits ständig von Rebellion bedrohten Usurpators Bolingbroke. S.s letzte Historie vor der Jahrhundertwende ist Heinrich V., ein Stück über einen glücklichen König, der sich wie sein Volk der Ordnung Gottes verpflichtet weiß und aus der Schlacht bei Agincourt als Sieger hervorgeht. S.s letzte Tragödie überhaupt, Heinrich VIII. (1613), gestaltet in episodenhafter Bewegung das Schicksal von Katharina von Aragon, seiner ersten, und Anna Boleyn, seiner zweiten Frau; es ist ein historisches Festspiel, das in der Geburt Elisabeths (der späteren Königin Elisabeth I.) seinen Höhepunkt erreicht. 
Die Komödien: Den Reigen der zehn heiteren Komödien eröffnete wohl Die Komödie der Irrungen, deren Publikumswirksamkeit auf dem Verwechslungsspiel der Doppelgänger beruht, während im Lustspiel Verlorene Liebesmüh die Irrungen des Verstandes parodiert werden. Die beiden Veroneser sind innerhalb dieses Trios die Komödie der Gefühlsirrungen, denen zwei Freunde bei ihrem Werben um die gleiche Julia unterliegen. Der gern gespielte Sommernachtstraum verwebt entfernt liegende Welten wie das vorhomerische Athen, das ländliche England und das Reich der Feen, um anhand der Irritation und Blindheit liebender Paare den Einfluß dämonischer Geister zu demonstrieren. Im Gegensatz zu diesem romantischen Zauberspiel grenzt Der Kaufmann von Venedig mit dem klagenden Shylock leicht ans Tragische, obwohl die Gestalt des jüdischen Wucherers als des "geprellten Teufels" der Komik nicht entbehrt. 
Der "Commedia dell'arte" stark verpflichtet ist der unverwüstliche Schwank Der Widerspenstigen Zähmung, der den ewigen Machtkampf der Geschlechter auf derbe Art dramatisiert. Hier unterwirft sich die Frau der vom Mann geforderten Gehorsamspflicht, in Die lustigen Weiber von Windsor wird statt dessen der aus den Heinrich-Dramen bekannte Prahlhans Falstaff als gefoppter Liebesritter dem Gespött und Gelächter preisgegeben. Viel Lärm um Nichts, Wie es Euch gefällt und Was Ihr wollt sind den Schwänken eindeutig überlegen; sie zeichnen sich vor allem durch den neuen Konversationston der quantitativ überwiegenden Prosa und durch eine sich steigernde Verwendung des Schein- und Sein-Motivs aus, das besonders in Rollenspielen, Verkleidungsszenen und Täuschungs- manövern Ausdruck findet und zahlreiche komische Effekte erzielt. 
Als eine eigene Gruppe, nämlich als Problemstücke, gelten gemeinhin Maß für Maß, Ende gut, alles gut und mitunter auch Troilus und Cressida, weil sie eine komplexe Gewissensfrage in den Mittelpunkt stellen, das Niedere und Gemeine in die Welt der Komödie einführen und so einen ernsthaften Ton bewirken. 
Eine weitere Gruppe innerhalb der Komödien bilden die Romanzen Pericles, Cymbeline, Das Wintermärchen und Der Sturm, die alle der Wirklichkeit entrückt und poetisch verklärt sind. Doch sowohl aufgrund der archetypischen Themen von Trennung und Wiedervereinigung, von Chaos und Harmonie wie auch infolge der tieferen Gefährdung der Helden und der bedrohlicheren Formen des Bösen stehen diese Stücke noch näher bei den eigentlichen Tragödien, denen sie zeitlich folgen. 
Die Tragödien: Titus Andronicus gehört als blutiges Vorspiel der Tragödien mit seinem mitleidlosen Helden zu den am seltensten gespielten Stücken. Romeo und Julia dagegen steht mit dem durch Verkettung unglücklicher Umstände tragisch endenden Liebespaar als poetisches Meisterwerk schon seit Jahrhunderten in der Gunst des Publikums. Nach diesen frühen Tragödien lassen sich die wenn auch nicht zeitlich, so doch thematisch und dramaturgisch zusammengehörenden Römerdramen als eigene Gruppe etablieren: Julius Cäsar, Antonius und Cleopatra und Coriolanus. Sie fußen insgesamt auf der gleichen Quelle (Plutarchs Biographien) und beziehen sich auf römische Staatsformen sowie antike Tugendideale. Zentral ist allen dreien der Konflikt zwischen Privatperson und öffentlicher Rolle und die für S. typische Lösung der am Schluß erfolgenden Wiederherstellung der staatlichen Ordnung. 
Die vier "großen Tragödien" (Hamlet, Othello, König Lear, und Macbeth) schließlich sind sämtlich einem verwandten Weltbild und einer gemeinsamen Heldenkonzeption verpflichtet; hier gerät das Individuum nicht mehr aufgrund geschichtlicher Umstände oder eines öffentlichen Amtes in einen tragischen Konflikt, sondern einfach aufgrund seines Menschseins bzw. seines menschlichen Soseins. So repräsentiert Hamlet die Tragödie des melancholischen, aus moralischen Gründen zögernden Menschen, der erkennt, daß er in Ausübung seiner Racheverpflichtung schuldig werden muß. Othello hingegen wird zur tragischen Figur wegen der komplexen Verquickung von Außenseitertum, verletzter Menschenwürde, Eifersucht und menschlicher Schwäche; bei ihm spielt aber auch die Enttäuschung eine große Rolle – so wie bei König Lear, der freilich vor allem infolge Überheblichkeit, unbedachter Entscheidung und Jähzorns zu guter Letzt dem Wahnsinn verfällt, sicherlich auch mitverursacht durch die Undankbarkeit seiner Töchter. In Macbeth führt die schon in der Eröffnungsszene angesprochene Grenzverwischung zwischen Wirklichkeit und Wunschdenken, zwischen Gut und Böse zu einer Verwirrung des Helden, in der er seinem Machtstreben wie auch dem Drängen der Lady nicht mehr zu widerstehen vermag und so zum Usurpator wird. Hier wie auch am Schluß des Hamlet wird der Versuch unternommen, die gestörte Welt wiederherzustellen. Nach Auffassung der Renaissance ist der Mensch selbst verantwortlich für sich und den Zustand der Welt. Er kann seine eigene Zuständigkeit und Gewissensentscheidung nicht mehr dem anonymen Schicksal, das im antiken Drama waltete, zuschieben; die Ursachen für Leid, Unglück und Katastrophe, aber auch die Möglichkeit der Heilung sind im Menschen selbst zu suchen. 
Während der Zuschauer in den Komödien nach Hindernissen, Täuschungen und Intrigen die Belohnung der Helden oder den Sieg der einen und die Niederlage der anderen Partei als heiteres Spiel erlebt, erkennt er in den Tragödien, zumal nach der Jahrhundertwende, den Ausdruck der Verunsicherung einer Generation, die einerseits ihre eigenen religiösen und sozialen Bindungen in Frage stellt, andererseits auch das Problem freier Gewissensentscheidung und den Sinn menschlichen Leidens einer neuen ernsthaften Erörterung unterzieht. Die späten Märchenspiele dagegen sind von einer anderen Weltsicht geprägt. Handlungsführung und Charaktere erscheinen von der rauhen Wirklichkeit abgelöst. Unter Einwirkung von Gnade und Vergebung werden die bedrohlichen Ereignisse und Umstände mit einem guten Ende versöhnt, so daß der Zuschauer den neu bestärkten Glauben an das Gute im Menschen, an die Gnade und die verzeihende Kraft der Liebe mit nach Hause nimmt: Themen, welche die Zeiten überdauern werden. 
J. W. Goethe hat die Größe und den Reichtum S.s gegenüber Eckermann mit den Worten gepriesen: "Da ist doch kein Motiv des Menschenlebens, das er nicht dargestellt und ausgesprochen hätte. Und alles mit welcher Leichtigkeit und Freiheit!" Zurecht betont B. Jonson in seinem Huldigungsgedicht, das im Ersten Folio (1623) abgedruckt ist: "Nicht nur für unsere Zeit lebt er: für immer!" 

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