ueber mich
Fritz Gross
Regisseur Schauspiel Oper
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ZUR SCHÖNEN AUSSICHT                      Peter Iden ueber Hovráth
Ada: Eigentlich bin ich ganz anders, aber ich komme so selten dazu. 
Bild: Jörg Ratjen als Max in  Zur Schönen Aussicht, Ö. v. Horváth, Karlsruhe 


aus dem 1. Akt: 
STASSER 
Im Augenblick, Herr Generaldirektor! 
ab.
MÜLLER 
Was bin ich? 
ADA zu Karl: 
Allons, Ben Hur! 
KARL 
Was man alles werden kann! 
ADA 
Wie du willst, Herkules! 
Es dämmert. 
MÜLLER 
Was bin ich? 
Ada zieht sich den Mantel aus und wieder an; pudert sich die Nase, 
schminkt sich die Lippen. 
KARL 
Laß das! Los! Die Sonne ist weg - du bist schon schön! 
ADA 
Wird es regnen? 
KARL 
Es wird Nacht. 
ADA 
So? Dann wollen wir nunmehr bis zur Kapelle — ich liebe diese Spätgotik. 
Zu Müller: 
Bleiben Herr Generaldirektor die Nacht über? 
MÜLLER verwirrt
Was für Nacht? 
ADA 
Charmant! Dies Kind im Manne - Au revoir, Herr Generaldirektor! 
Ab mit Karl. 
MÜLLER sieht ihr nach; zu Max: 
Wohin reiten denn die? 
MAX 
Die reitet nicht nur, die fährt auch. Automobil. 
MÜLLER 
Mit der Peitsche? 
MAX 
Auch das, Herr Generaldirektor. 
Er blickt suchend umher. 
MÜLLER 
Was bin ich? 
MAX 
Generaldirektor. 
MÜLLER 
Ich bin kein Generaldirektor! Ich bin Müller, Vertreter der Firma Hergt und Sohn - 
MAX unterbricht ihn: 
Aber bei Ihren Fähigkeiten könnten Sie jederzeit Generaldirektor sein! 
Müller setzt sich. 
Natürlich! Aber natürlich! 
Stille.

Bild: Anne Schmidt-Krayer + Jörg Ratjen als Christine + Max in Zur Schönen Aussicht, Ö. v. Horváth, Karlsruhe 

aus dem 2. Akt: 
KARL packt Christine am Handgelenk. 
EMANUEL 
Lassen Sie die Dame los! 
KARL reißt sie an sich und küßt sie: 
Ha du! 
Strasser erscheint Hintergrunde. Emanuel nickt ihm grinsend zu und applaudiert lautlos. 
STRASSER räuspert sich; tremoliert erschüttert: 
Christine! Christine! 
Christine reißt sich verzweifelt los; wankt. 
EMANUEL zu Karl: 
Sie sind entlassen, Sie Subjekt! 
KARL zuckt die Achsel: 
Man darf doch wohl noch eine alte Bekannte begrüßen. 
Christine schreit gellend auf. 
EMANUEL überschreit sich: 
Hinfort! Verlogener Bandit! 
KARL 
Hoho! Hoho! 
STRASSER stützt sich auf den Tisch: 
Christine - Christine - 
KARL 
Die Erotik, Sie Herr Baron, kennt keinen Standesunterschied, vorausgesetzt, daß ein Auto vorhanden ist. Da wiegen andere Unterschiede! Solider Brustumfang und so! Ha, Chrysantheme? 
Max tritt von links mit einem riesigen Kunstchrysanthemenstrauß rasch ein und eilt auf Christine zu. Christine bricht lautlos zusammen; fällt ohnmächtig vornüber. Alle starren auf sie unbeweglich. 
Stille. 
MÜLLER kommt aus dem Hintergrunde; überblickt überrascht die Lage; unterdrückt: 
Na was, was hat sie denn? 
STRASSER hebt den Arm: 
Pst! 
Stille
EMANUEL leise: 
Still, nur still - Es gibt ja auch Simulanten - bekanntlich. 
Stille. 
EMANUEL flüstert zu Karl: 
Abgesehen davon: sie heißt doch nicht Chrysantheme, Herr, sie heißt Christine. 
KARL brummt
Blume bleibt Blume. 
MAX hat sich verhört; schwätzt nervös vor sich hin: 
Chrysantheme bleibt Chrysantheme. Ich kenn doch die Chrysantheme - hier, allerdings aus Papier, aus Kunst, aber das macht nichts, denn es sind ja Chrysanthemen – 
MÜLLER laut
Ich bezweifle, daß sie simuliert. 
Stille
EMANUEL 
Eigentlich müßte man nachsehen, selbst wenn sie simulieren sollte. 
STRASSER beugt sich über sie: 
Dann erst recht. 
MÜLLER beugt sich auch über sie: 
Hoppla, Blut! 
KARL grinst
Das Auge geschlossen. Und ausgezählt. 
MAX 
K. o.? 
EMANUEL 
Nur kein Blut! Sonst wird mir übel. 
MÜLLER 
Keine Sorge! 
STRASSER zündet sich eine Zigarette an: 
Nur geritzt. 
EMANUEL 
Blut bleibt Blut. 
MAX schwätzt wieder: 
Chrysantheme bleibt Chrysantheme. Gong. Zwote Runde. Der blonde Neger fightet los. Mörderisch. Serie. Serienmörderisch. Das Favoritenauge schließt sich, achte Runde, obwohl er klar nach Punkten führt. Jedoch ein geschlossenes Auge kostet den blauen Gürtel der Meisterschaft, der Vereinsweltmeisterschaft, obzwar es ja auch ein lila Gürtel gewesen sein mag - überhaupt diese Weltmeisterschaft! Eins, zwo, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht, neun, zehn, elf! 
Er hebt den Strauß. Christine wimmert; zuckt; schlägt mit den Armen auf das Parkett. Emanuel, Karl, Müller zogen sich etwas zurück, ins Halbdunkle. Strasser steht hinter Christine. 
CHRISTINE stützt sich schwerfällig empor, kauert und sieht scheu, verstört um sich; sie blutet über dem linken Auge. 


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