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Regisseur Schauspiel Oper |
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| Hauptmann, Gerhart (1862-1946)
Rose Bernd
Am Anfang stand ein Verrennen in lauter Sackgassen: an der Breslauer Realschule scheitert er, als Landwirtschaftseleve muß er aufgeben, das Einjährigen-Examen überfordert ihn, die vermeintliche Berufung zum Bildhauer endet mit einem Fiasko im römischen Atelier. Erste Dichtungen, Promethidenlos und ein Germanendrama, mißlingen epigonal. Der 23jährige, vom Bluthusten gefährdet, hört Vorlesungen an der Berliner Universität, schließt die Ehe mit der Kaufmannstochter Marie Thienemann (ein Kuriosum: zuvor haben seine beiden Brüder die Schwestern Maries geheiratet), zieht mit ihr 1885 von Berlin-Moabit hinaus nach Erkner am Müggelsee. In der märkischen Abgeschiedenheit nimmt sich H. in die Disziplin der Wirklichkeitsbeobachtung und füllt dicke Notizbücher mit dem Dialekt der Mark Brandenburg. Später erinnert er sich, wie plastisch gegenwärtig ihm in Erkner die Kindheit im schlesischen Salzbrunn aufstieg, das elterliche Hotel Zur preußischen Krone, "aber vor allen Dingen die Dorfstraße, die Weberhütten und Bergmannsquartiere, diese das Ärmlichste vom Ärmlichen". In sechzig Jahren von immenser Produktivität hat Hauptmann neben seinen Versepen und Romanen, neben Lyrischem und Autobiographischem mehr als 50 Dramen geschaffen (und 46 Uraufführungen selbst erlebt). Lebendig auf dem Theater blieben vor allem jene Stücke, deren Sprache und Milieu der große Menschenbeobachter und Menschengestalter G. H. selbst erlebt hatte. Damit erneuerte er die Bühne und erprobte die Techniken und Wirkungen der Darstellung, die später von C. Zuckmayer und F. X. Kroetz und zahllosen anderen aufgenommen wurden. "Naturalistisch" nannte man das vor hundert Jahren, aber schon Th. Fontane erkannte am Erstling Vor Sonnenaufgang (1889), daß des jungen Autors Stärke unabhängig von "naturalistischen Derbheiten" in einem eigenen Ton liegt. "Der Ton ist bei Arbeiten wie diesen, die viel von einer Ballade haben, nahezu alles, denn er ist gleichbedeutend mit der Frage von Wahrheit und Nicht-Wahrheit." – Heftig umstritten, doch seit den Webern weltberühmt, durchlitt H. eine zehnjährige Ehekrise (1904 heiratete er Margarete Marschalk), nahm in Oxford und anderswo Ehrendoktorhüte und 1912 in Stockholm den Nobelpreis entgegen. Noch 1913 aber wurde sein Festspiel in deutschen Reimen, ein Friedensappell zum Jubiläum der Befreiungskriege, aufgrund kaiserlichen Mißfallens vom Programm gestrichen. Trotz seiner Opposition zum Wilhelminischen konnte H. sich selbst in seiner Sprache von dieser Herkunft nicht ganz lösen, verfiel in manchen Werken einer flachen, fast kolportagehaften Rhetorik. Schon nach dem "Glashüttenmärchen" Und Pippa tanzt (1906) nahm seine Wirkung auf dem Theater ab, im Gegensatz zur öffentlichen Geltung seiner Person. Zum 60. Geburtstag 1922 feierte ihn die Nation: "Die Republik weiß sich bestätigt und erhoben von ihrem erwählten Dichter" (Heinrich Mann). Als Hitler an die Macht kam, blieb H. in Deutschland, "da ich nur hier schaffen kann", aber auch aus Mangel an politischer Klarsicht. In seinem Tagebuch hat er Hitler als "Weltgenius" gefeiert und Frankreichs Kapitulation 1940 als "allergrößten Augenblick der neueren Weltgeschichte". Fünf Jahre später sah der 82jährige Dresden verglühen. "Wer das Weinen verlernt hat, lernt es wieder beim Untergang Dresdens." Bevor die Ausweisung aus Agnetendorf vollzogen wurde, starb Hauptmann. Der Leichnam wurde nach Hiddensee überführt, in einem sowjetrussischen Sonderzug. Zurueck / back |
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